Epilepsie   5 comments

„Epilepsie – das gibt es nicht in meinen Linien.“

– Sollten sie diesen Satz von einem Züchter oder Deckrüdenbesitzer hören dann gibt es genau 3 Möglichkeiten:

  1. Die entsprechende Person hat sich nicht ausreichend informiert.

  2. Die entsprechende Person weiß um die Risiken seiner Hunde, möchte aber davon nichts preisgeben.

  3. Die entsprechende Person hat einen der unglaublich wenigen Hunde aus (bisher) unauffälligen Linien.

Epilepsie ist überall. Jeder Hund hat grundsätzlich wenigstens in den ersten 5 Generationen einen direkten Vererber oder wenigstens einen direkten Verwandten in seiner Abstammung. Ja, ganz sicher.

Dies ist nicht unbedingt auf Grund der hohen Inzuchtrate (COI) einiger Hunde der Fall, sondern liegt an der Häufigkeit der Erkrankung. Nicht nur „Showlinien“ sind davon betroffen, auch „Arbeitslinien“ – sogar fast identisch oft. Hunde mit niedrigem COI können durchaus das gleiche Risiko auf ein hohes Risiko haben, da dieses Risiko von dem Vorkommen von Vererbern abhängig ist und nicht davon wie oft auf einen bestimmten Hund ingezogen wurde.

Epilepsie als Schreckgespenst der Aussie Szene. Man sollte sich die Frage stellen, warum das so ist.

Epilepsie ist grundsätzlich der Begriff für „Krampfanfälle“. Epilepsie kann verschiedenste Ursachen haben. Die erbliche Form, die dem Aussie zu schaffen macht ist die „Idiopathische Epilepsie“. Epilepsie gibt es nicht nur beim Rassehund Australian Shepherd – Epilepsie ist überall.

Das größte Problem für die Risikominimierung ist in wenigen Punkten zusammenfassbar:

  1. Der Erbgang ist unbekannt.

  2. Das Thema Epilepsie ist ein „Tabu“. Es wird totgeschwiegen. Nicht nur von Zuchthundbesitzern – aber von diesen besonders. Fraglich ist das WARUM. Aber auch das ist leicht zu erklären; Leute die offen mit diesem Thema umgehen, werden an den Pranger gestellt und man zeigt auf sie und die Hunde. „Diese Leute haben kranke Hunde gezüchtet.“ Dieser Umgang mit Ehrlichkeit muss sich dringend ändern. Epilepsie kann nur eingedämmt werden, wenn man diesen Leuten applaudiert – nicht weil sie einen kranken Hund gezüchtet haben, sondern weil sie dazu stehen und anderen dieses Unheil durch Ehrlichkeit ersparen wollen.

  3. Zuchthundbesitzern ist es EGAL wenn nahe Verwandte an Epilepsie erkranken – es wird einfach weitergezüchtet, die Hunde nicht aus der Zucht genommen. DIESE Züchter sollten an den Pranger gestellt werden. DIESE Züchter zerstören mit ihrer Ignoranz und Egomanie die Rasse Australian Shepherd.

  4. Besitzer von an Epilepsie erkrankten Hunden veröffentlichen diese Informationen nicht.

  5. Informationen zu an Epilepsie erkrankten Hunden sind nicht offen zugänglich.

  6. Mit Informationen zu an Epilepsie erkrankten Hunden wird FALSCH umgegangen. Es stellt sich natürlich die Frage – was ist der RICHTIGE UMGANG?!

Der RICHTIGE züchterische UMGANG mit an Epilepsie erkrankten Hunden

Die Hinweise sind deutlich – kein Zuchteinsatz von betroffenen Hunden und Verwandten ersten Grades, d.h. Eltern, Nachzucht, Geschwister und Halbgeschwister. An diese Regelung sollte man sich grundsätzlich halten.

Leider ist es dennoch nicht so einfach. Da die Krankheit nun schon so weit verbreitet ist, müssten mit dieser Regelung mindestens 25% der Aussiepopulation aus der Zucht genommen werden. Also.. was tun?

Zunächst sollte klar sein, dass man NICHT sagen kann – „Das kommt doch nicht von meinem Elternteil sondern ausschließlich von dem anderen – schau doch mal DA ins Pedigree.“ Das ist schlicht und ergreifend Unsinn und Fingergezeige. Bei IE ([Canine] Idopathic Epilepsy) handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen polygenetischen Erbgang (mehrere Gene sind beteiligt.) Diese Gene werden von beiden Eltern weitergegeben – und treffen sie entsprechend aufeinander erzeugen sie das „Entgleisen des Nervensystems in Schüben durch Auslöser jedweder Art“.

Die ersten Reaktionen auf einen an Epilepsie erkrankten Hund (nach dessen med. Versorung) sollten also diese sein:

  • Informieren der Züchters des Hundes

  • Informieren von Besitzern aller erstgradig verwandten Hunde

  • Ausschluss des jeweiligen Exemplars aus der Zucht

  • vorläufiger Ausschluss aller erstgradig verwandten Hunde aus der Zucht

  • Information an die „Aussie-Welt“ – ob das lediglich vereinsintern passieren sollte, ist natürlich fraglich, da die Hunde letztendlich alle miteinander verwandt sind, vereinsübergreifend. Daher sollte eine Information an eine übergreifende Stelle gehen – da bisher keine (umfassende) deutschsprachige Quelle besteht, sollte man sich an AussieGENES wenden. Eine weitere Stelle gibt es, die gern bei mir erfragt werden kann, sollte es dringenden Bedarf geben. Außerdem wäre die Veröffentlichung im Internet hilfreich.

Epilepsie ist ein Thema mit dem man endlich umgehen MUSS. Jeder, der Epilepsie verschweigt, versteckt und damit hetzt ist letztendlich ein Förderer!

Um auf die am Anfang angesprochenen 3 Punkte zurück zu kommen – wenn gesagt, wird dass Epilepsie in den Linien des Zuchthundbesitzers nicht vorkommt… NACHFRAGEN! Sollte daraufhin keine verständliche Antwort kommen, kehrt man diesem Züchter den Rücken! Eine verständliche Antwort in diesem Falle wäre die Auflistung der einzelnen Verwandten und Offenlegung der Nachforschungen. Dies sollte nicht in 1 Minute vorbei sein!

Nun ein Aufruf an alle die die Rasse Australian Shepherd lieben:

SEID EHRLICH. Seid offen. Das Offenlegen eines Epilepsiefalls ist KEIN Outing, es ist eine Liebeserklärung an die Rasse!

Ich würde es begrüßen, wenn auch unter den Züchtern endlich ein Druck aufgebaut wird, Epilepsie offen zu behandeln. Und vor allem danach zu HANDELN.

Betroffene müssen diese Fälle publik machen –  keine Hetze !! sondern fundierte, sachliche Informationen. Das braucht die Rasse, das brauchen auch die Besitzer – und vor allem sind wir alle -als Liebhaber dieser Rasse- es DEN HUNDEN schuldig!

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Veröffentlicht 10. März 2010 von Sylvi

5 Antworten zu “Epilepsie

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  1. Liebes Team,
    mein Aussie hat in einem Abstand von 6 Wochen 2 Anfälle gehabt und wird derzeit auf Herz und Nieren geprüft. Er ist erst 3 Jahre alt und diese Erfahrung ist sehr schmerzhaft für mich, da mich mein eigener Hund nach dem zweiten Anfall erst nicht erkannt hat und mich stellen wollte.
    Ich habe bereits bei der Besitzerin seiner Mutter nachgefragt und angeblich ist keiner seiner Vorfahren von Epilepsie betroffen. Aufgrund des Artikels werde ich jedoch massiver nachfragen.

  2. Da stimme ich Dir zu, ich habe zwar keinen Aussie der an Epilepsie erkrankt ist, aber gesund ist er auf gar keinen Fall, wir beide Leiden, da bisher die Ursache noch nicht 100% gefunden wurde.
    Leider scheint es die Züchterin nicht zu kümmern, da ein Wiederholungswurf schon geplant ist.
    Da liegt der Verdacht für mich nah, das es nicht um die gesunde Weitervererbung der Rasse Aussie geht. Leittragende sind die Hunde und derer Besitzer.

  3. Unser Aussie ist nun 21 Monate alt und seit drei Monaten an Epilepsie erkrankt. Eltern und Großeltern sind MDR1 +/+ auch die Geschwister sind alle bis jetzt gesund. Gezüchtet wird mit diesen nicht mehr. Meldung ist an alle durch die Züchterin erfolgt. Da verlasse ich mich drauf. Einige kenne ich auch persönlich.

  4. —momentan in Bearbeitung—

    Jessica Wagner
  5. Hey,
    Mein großer ist mit 1 1/2 an Epilepsie erkrankt. Jetzt ist er 3 Jahre und es geht ihm gut, jeden Tag genießen wir zusammen. Die Züchter haben sich schweren Herzens von dem Traum Zucht distanziert, sie haben ihr Hund alle samt aus der Zucht genommen und sie kastriert/sterilisiert. Stehen heute noch im Kontakt,außerdem haben sie die Hälfte der Untersuchung bezahlt von sich aus. Meiner Meinung nach gibt es vereinzelt Züchter mit gewissen, denn nicht nur deren Hunde wurde aus der Zucht gebommen , sondern auch alle aus dem Wurf davor und aus dem er stammt.

    Ich kann die Tierklinik in Bramsche echt empfehlen, die haben da gute Spezialisten und wollen den Tieren helfen. Mein großer fühlt sich da sehr wohl obwohl er nen bisschen Angst vor Ärzten hat.

    Man kommt mit jeder Krankheit klar, wenn die liebe zum Tier groß genug ist :))

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